Mein Name ist Hedwig Hesse, geb. 11.04.
1920 in Ludwigshafen am Rhein.Ich
war ein Backfisch, so nannte man junge Mädchen von 14 bis 16 Jahren. Mit meiner Mutter
durfte ich nach Mannheim ins Nationaltheater. Ich hatte ja keine Ahnung wie so ein Theater
von innen aussah. Nie werde ich vergessen, wie schön der Theaterraum war. Die schönen
Kronleuchter. Der Vorhang und an den Balkonen roter Samt. Die Stuckdecke und Wände waren
vergoldet. Die Damen in großer Robe, die Herren in Schwarz. Das Licht ging aus. Der
Vorhang auf. Ein herrliches Bühnenbild. Es gab die Zauberflöte von Wolfgang A. Mozart.
In meinen jungen Jahren war es mein erstes und schönstes Erlebnis.Mit meiner
Mutter war ich noch einmal im Nationaltheater. Es gab ein Lustspiel: "Die
Primanerin."
Ich begann eine Schneiderlehre. Wir hatten die 48-Stunden-Woche und im 1. Lehrjahr
keinen Lohn, im 2. Lehrjahr 50 Pfennig die Woche. Damals hatte ich weder Zeit noch Geld
für das Theater. Ein Jahr später begann der 2. Weltkrieg. Am 06.09.1943 wurde "mein
Theater" bombardiert. 1945 war Kriegsende. Der Wiederaufbau in den Städten begann.
Ludwigshafen hatte noch den Pfalzbau mit seinem Konzertsaal. Der wurde unser neues Theater
für Mannheim und Ludwigshafen. Mutter und ich nahmen ein Abonnement und freuten uns auf
unseren Theaterabend. Es gab im Wechsel Schauspiel,Operette und Oper. Auch meine
Berufsausbildung hatte ich abgeschlossen mit dem Meisterbrief.
Wieviel elegante Abendkleider meine Mädchen und ich gearbeitet haben, weiß
ich heute nicht mehr. In den 60er und 70er Jahren ging man noch elegant ins Theater.
Hätte mir damals noch jemand gesagt," in 47 Jahren wirst du zum ersten Mal in einem
Schauspiel mit auf der Bühne stehen," hätte ich ihn für einen Narr gehalten. Zur
Zeit wird das 13. Projekt eingeübt. Es macht Freude, man lernt Dinge, die man vorher
nicht kannte. Das wichtigste:"Atem-und Sprechübungen, Konzentrieren, Lust zum
Textlernen. Wir freuen uns alle, wenn unser Stück beim Publikum gut ankommt. Das ist der
schönste Lohn.
Hedwig Hesse
gest. 13.07.2010
Unsere Hedwig
ist von uns gegangen.
Wir sind sehr trauig!
Es ist schwer vorstellbar, dass sie nicht mehr in unserer Mitte ist.
Durch ihre liebenswürdige und freundliche Art hatten wir sie
alle in unser Herz geschlossen.
Sie hat ihre Rollen auf eine besondere Weise verkörpert und das Publikum
immer wieder begeistert.
Sie hinterlässt eine große Lücke!
Vorstand und Mitglieder
des Theaters der Generationen